Carsten Mohe: „Die Resonanz ist gigantisch“
Carsten Mohe zieht eine positive Zwischenbilanz seiner ersten Saisonhälfte im Porsche 911 Rally GT. Im Interview spricht der Pilot aus dem Erzgebirge über die bisherigen Rallyes, die Umstellung auf das neue Auto und die Ziele für die zweite Saisonhälfte.
Die erste Saisonhälfte der DRM ist absolviert. Wie fällt deine Zwischenbilanz mit dem neuen Porsche aus? „Sehr positiv. Das Auto macht sehr viel Spaß und ist schnell. Wir kommen mit dem Porsche deutlich besser zurecht, als wir zunächst vermutet hatten. Mit unseren Gesamtbestzeiten in Sulingen haben wir sicherlich den einen oder anderen Kritiker überrascht. Zudem haben wir die nicht zur Meisterschaft zählende Wartburg-Rallye gewonnen. Das macht uns natürlich stolz und ist gleichzeitig eine Belohnung für die Arbeit, die wir in das Projekt gesteckt haben. Natürlich schmerzt der Ausfall bei der Rallye Mittelrhein. Das muss man ganz klar sagen. Gerade im Hinblick auf die weiteren Läufe ist das ärgerlich. Aber insgesamt können wir mit dem bisherigen Saisonverlauf sehr zufrieden sein.”
Was waren für dich die bisherigen Höhepunkte? „Natürlich die Gesamtbestzeiten. Wenn man mit einem neu aufgebauten Porsche in einer Meisterschaft antritt und dann tatsächlich WP-Bestzeiten fährt, ist das schon etwas Besonderes. Dazu kommt, dass wir uns mit dem Auto inzwischen sehr gut zurechtfinden. Die Umstellung war größer, als man vielleicht von außen denkt. Aber wir haben uns Schritt für Schritt weiterentwickelt.”
Was war für dich die größte Herausforderung am Porsche? „Dass man mit Gasgeben das Auto nicht stabilisieren kann. Das war für mich persönlich eine der größten Herausforderungen. Wenn du über 30 Jahre Erfahrung mit Frontantrieb und Allrad hast, musstest du darüber nicht mehr nachdenken und fuhrst instinktiv. Beim Porsche musst du diese Instinkte teilweise umprogrammieren. Das Auto reagiert anders. Aber es wird immer besser. Inzwischen funktioniert es schon sehr gut. Und wenn dann noch neue Reifen oder ungewohnte Bedingungen dazukommen, fehlt anfangs natürlich etwas Vertrauen. Gerade beim Bremsen und beim Einlenken musst du erst herausfinden, wie das Auto reagiert. Aber dafür fahren wir Rallye. Man muss sich auf solche Situationen einstellen und versuchen, möglichst schnell zu lernen. Ich bin natürlich froh und dankbar, dass ich in meinem hohen Rallyealter mit den jungen Fahrern noch so mithalten kann. Es wäre schlimm für mich, wenn ich Minuten hinterherfahren würde. Das ist zum Glück nicht der Fall. Und wenn man mit den anderen Porsche vergleichbare Autos hat, kannst du deinen eigenen Speed viel besser einschätzen. Und das macht natürlich Spaß.“
Der 911 sorgt für viel Aufmerksamkeit. Hat dich die Resonanz überrascht? „Ja, definitiv. Schon unsere erste Pressemitteilung, mit der wir das Projekt angekündigt haben, hatte eine gigantische Resonanz. Das hat sich bei den Veranstaltungen fortgesetzt, das freut uns natürlich sehr. Auch für unsere Sponsoren ist das wichtig. Sponsoring funktioniert nicht ohne Gegenwert. Die Partner erwarten Reichweite, Zuschauer und natürlich auch sportliche Leistung. Wir merken inzwischen sogar, dass viele Menschen auf unser Social-Media-Inhalte reagieren, die gar nicht aus dem klassischen Rallyebereich kommen. Wenn ein großer Teil der Klicks von Leuten kommt, die sonst wenig mit Rallye zu tun haben, ist das für uns natürlich eine tolle Entwicklung.”
Wie zufrieden bist du mit der Zuverlässigkeit des Porsche? „Sehr zufrieden. Wir hatten bisher praktisch keine technischen Probleme mit dem Auto. Das spricht natürlich auch für die Erfahrung unseres Teams und meiner Mechaniker. Wir haben inzwischen mehr als 20 Rallyeautos von Grund auf aufgebaut. Diese Erfahrung ist auch in den Porsche eingeflossen. Wir haben beispielsweise bei der Kabelfixierung Dinge anders gelöst und zusätzliche Schutzmaßnahmen eingebaut. Auch eine Innenraumheizung haben wir realisiert. Das sind für mich einfach Basics. Ich möchte keine beschlagene Scheibe haben. Solche Dinge gehören für mich zu einem Rallyeauto dazu. Natürlich kann man damit die Ausfallwahrscheinlichkeit nur reduzieren. Eine Garantie gibt es nie. Aber aktuell stehen wir damit sehr gut da.
Was erwartest du von der zweiten Saisonhälfte? „Die nächsten Rallyes werden interessant. Stemwede schätze ich grundsätzlich ganz gut für den Porsche ein. Bei der 3-Städte-Rallye kenne ich zumindest die Charakteristik noch von der Central European Rally, die ich 2023 bestritten habe. Entscheidend werden auch die Bedingungen sein, zum Beispiel wie hoch der Schotteranteil auf den Prüfungen ist. Wenn im Herbst zudem viel Regen kommt, wird es natürlich schwieriger.”
Gibt es schon einen Plan für die Lausitz-Rallye? „Das wird sich zeigen. Die Lausitz-Rallye ist für uns als Heimveranstaltung mit vielen Fans natürlich immer etwas Besonderes. Aber wir können nicht alles fahren. Das ist finanziell nicht machbar. Deshalb müssen wir schauen, wie sich die Saison entwickelt und welche Möglichkeiten sich ergeben. Der Plan ist aber klar: Mit dem Porsche wollen wir die verbleibenden Rallyes bestmöglich bestreiten.”
Was wäre für dich am Ende der Saison ein Erfolg? „Wenn wir am Jahresende der bestplatzierte Porsche sind, wäre das natürlich eine tolle Sache. Aber ich möchte auch einfach sehen, wie weit wir uns mit dem Auto noch entwickeln können. Wir haben in dieser Saison viel gelernt. Die Umstellung auf den Porsche war eine Herausforderung, aber genau das macht das Projekt für mich auch interessant. Und wenn wir dabei weiter vorne mitfahren, Bestzeiten holen und gleichzeitig die Fans begeistern können, wäre das eine sehr gute Saison.”
Interview und Foto: Lars Krone/Power Stage Images

