Oliver Solberg übersteht Schreckmoment und steht vor historischem Monte-Sieg
Trotz eines nervenaufreibenden Ausflugs am Samstag bleibt der Schwede an der Spitze: Oliver Solberg steht kurz davor, als jüngster Sieger in die Geschichte der Rallye Monte-Carlo in der WRC einzugehen. Nach einem dramatischen Samstag mit schneebedeckten Alpenpässen und einer verregneten Rückkehr in die Straßen von Monaco, wo dicht gedrängte Zuschauer den Hafen säumten, behauptete er seine Führung.
Der 24-jährige Toyota-Pilot geht mit einem Vorsprung von 59,3 Sekunden in die abschließende Etappe am Sonntag. Sollte er diesen ins Ziel bringen, würde er Sébastien Ogiers Rekord von 2009 brechen und zum jüngsten Sieger des Klassikers werden.
Der Samstag endete mit der WP13, einer Super-Special-Stage auf Teilen der Grand-Prix-Strecke von Monaco. Es war die erste Wertungsprüfung im Herzen des Fürstentums seit 2008. Trotz sintflutartigen Regens säumten zahlreiche Zuschauer den Hafen, während die Rallyeautos zwischen Yachten und Tribünen widerhallten.
Zuvor stand Solbergs Rallye jedoch auf der Kippe. Beim zweiten Durchgang von La Bréole / Bellaffaire geriet er bei wechselnden Bedingungen auf eine Schneefläche, rutschte durch einen Zaun in ein verschneites Feld. Der Schwede hielt seinen GR Yaris Rally1 irgendwie am Laufen, kehrte auf die Strecke zurück – und fuhr am Ende sogar die Bestzeit.
„Ich weiß nicht, was passiert ist, ich war die ganze Prüfung über sehr vorsichtig“, sagte Solberg. „Ich bin den Spurrillen gefolgt, aber am Ausgang lag plötzlich nur noch Schnee. Ich hatte großes Glück, wieder herauszukommen.
Es war ein fantastischer Tag und bislang eine fantastische Woche. Natürlich extrem schwierig, wie jeder gesehen hat. Ich glaube, fast jeder war irgendwo neben der Strecke. Aber ich bin in einer guten Position. Mal sehen, was morgen passiert – das wird wahrscheinlich wieder verrückt.“
Hinter ihm spitzte sich der Kampf um die restlichen Podiumsplätze weiter zu. Elfyn Evans festigte Rang zwei und liegt nun 26,0 Sekunden vor dem zehnfachen Monte-Carlo-Sieger Sébastien Ogier. Der Franzose hatte mit einem Sieg auf WP10 Druck gemacht, ging am Nachmittag bei Schnee, Matsch und Schlamm jedoch vorsichtiger zu Werke.
Adrien Fourmaux blieb als Gesamtvierter bester Hyundai-Pilot, nachdem er einen anspruchsvollen Tag mit schwierigen Grip-Verhältnissen meisterte. Teamkollege Thierry Neuville kämpfte sich trotz eines Drehers auf WP12 auf Rang fünf nach vorn.
Jon Armstrong von M-Sport Ford überzeugte bei seinem Rally1-Debüt trotz eines frühen Reifenschadens und liegt auf Gesamtrang sechs. Enttäuschung gab es dagegen für Hayden Paddon. Der Neuseeländer war auf Sicherheit bedacht unterwegs, rutschte auf WP12 jedoch von der Strecke und blieb in einem Feld stecken – Platz 13 gesamt. Auf derselben Prüfung schied auch Sami Pajari nach einem Baumkontakt aus.
WRC2-Spitzenreiter Léo Rossel liegt auf Gesamtrang sieben vor Grégoire Munster und Takamoto Katsuta, der sich nach Servolenkungsproblemen am Freitag auf Platz neun zurückkämpfte. Nachdem auch Nikolay Gryazin auf WP12 ausschied, komplettiert Roberto Daprà die Top Ten.
Das Finale am Sonntag umfasst vier Wertungsprüfungen über 71,9 Kilometer, darunter zwei Durchgänge über den legendären Col de Turini.
Stand am Samstagabend nach WP 13:
- O Solberg / E Edmondson SWE Toyota GR Yaris Rally1 3h16m34.1s
- E Evans / S Martin GBR Toyota GR Yaris Rally1 +59.3s
- S Ogier / V Landais FRA Toyota GR Yaris Rally1 +1m25.3s
- A Fourmaux / A Coria FRA Hyundai i20 N Rally1 +6m02.9s
- T Neuville / M Wydaeghe BEL Hyundai i20 N Rally1 +7m23.0s
- J Armstrong / S Byrne IRL Ford Puma Rally1 +10m03.9s
Foto: Red Bull / Jaaanus Ree

