Was macht Jonne Halttunen? Ein exklusives Interview mit dem 2fachen Rallye-Beifahrer-Weltmeister
Jeder Rallyefan kennt Jonne Halttunen als Copilot von Kalle Rovanperä. Der hat sich bekannterweise dem Formelsport zugewandt, so das die Frage ist, was macht sein Beifahrer Jonne Halttunen? Das wollte auch Lothar Bökamp wissen und fragte kurzerhand ein Interview bei ihm an. Die Antworten verbergen so manche Überraschung, die nun das ANTRIEB Magazin veröffentlicht. Am Ende gibts noch einen „Quicky“ mit 8 ganz persönlichen Fragen und Antworten. Viel Spaß beim Lesen.
Was machst Du gerade, Jonne? Die Rallye Monte-Carlo steht zwar vor der Haustür, aber Du wirst nicht als Copilot dabei sein …
Ja, die Rallye Monte-Carlo startet in zwei Wochen und ich bin nicht als Copilot dabei. Ich arbeite zurzeit an meinen eigenen Projekten. Mein Ziel ist es, 2026 selbst hinter dem Steuer eines Rallyeautos zu sitzen. Ich plane mit meinem Toyota Corolla an den Läufen zur finnischen F-Cup Rallyeserie teilzunehmen. Zur gleichen Zeit kümmere ich mich aber auch um meine berufliche Zukunft. Zu dem Thema kann ich im Augenblick öffentlich nichts sagen, mein Ziel ist, im Rallyeumfeld in einer Führungsposition zu arbeiten.
Es war zu lesen, dass Du mit Deinem eigenen Rallyeteam bei der Jyväskylä Winter Rally, einem Lauf zur finnischen F-Cup Rallyeserie, mit einem Toyota Corolla AE86 als Fahrer teilnehmen wirst.
Das ist richtig, die Serie umfasst 5 Läufe und ich plane, alle Veranstaltungen mit der Corolla zu fahren. Und darüber hinaus zu Trainingszwecken noch einige kleinere Rallyes. Ich arbeite daran, mich selber als Fahrer zu entwickeln und freue mich, dass mir erfahrene Rallyefahrer dabei unterstützen. Ich gehe davon aus, dass Kalle mit mir gemeinsam das Auto testet und abstimmt.
Hast Du Dir, was das Fahrerische anbetrifft, viel von Kalle abgeschaut? Keiner konnte ihm schließlich besser auf die Pedale schauen als Du.
Wenn ich neben Kalle sitze, habe ich ein sehr gutes Gefühl für die Geschwindigkeit. Wenn wir auf eine Kurve zukommen, weiß ich ziemlich genau, wie er sie fahren wird. Mir ist schon bekannt, wie man Rallye fährt – theoretisch (lacht). Wie du das dann in die Praxis umsetzt, ist dann wieder eine andere Geschichte. Das muss ich jetzt selbst lernen. Ein paar Veranstaltungen bin ich mit meinem Auto bereits gefahren. Da mir aber noch viel Praxis fehlt, muss ich nun die Theorie, in das, was ich tue, umsetzen.
Immer, wenn ich Euch bei der WRC beobachtet habe, kam es mir vor, als ob ihr ein sehr freundschaftliches Verhältnis pflegt. Wieviel Tage im Jahr habt ihr zusammen im Auto verbracht, tut da ein Ende dieser „Ehe“ der WRC nicht doppelt weh? Ihr seid immerhin 9 Jahre zusammen gefahren …
Wir waren 240 Tage im Jahr gemeinsam auf Reisen, unser Verhältnis ist sehr freundschaftlich, im Rallyeauto sind wir Arbeitskollegen, da müssen wir unseren Job machen. Außerhalb des Autos sind wir gute Freunde.
Kalle hat einen tollen Charakter und es war für mich leicht, mit ihm zusammenzuarbeiten. Es ist nach 9 Jahren gemeinsamer Rallyes und der ganzen Reisen jetzt schon eine große Veränderung.
Nicht nur Kalle, auch Kollegen, wie die anderen Beifahrer des Toyota-Teams, Scott (Martin), Aaron (Johnston) und Vincent (Landais) sind mir sehr ans Herz gewachsen und wirklich gute Freunde geworden. Wir bleiben selbstverständlich in Verbindung, das Leben geht weiter.
Bist Du noch im Kontakt zum Toyota-Team rund um Jari-Matti Latvala?
Jari-Matti und ich haben regelmäßig Kontakt per WhatsApp und auch außerhalb von Rallyes sind wir befreundet.
Hast Du Deine Karriere als Copilot endgültig an den Nagel gehängt? Oder wird es ein Comeback in der WRC von Dir geben?
Im Augenblick habe ich da keine Ambitionen. Kalle und ich haben alles erreicht, was wir erreichen konnten. Er hat nun die Sportart gewechselt, wenn ich jemals wieder als Copilot tätig werden sollte, müsste es ein Sitz im Rally1-Auto und einem Fahrer, der um Podiumsplätze fährt, sein. Und das auch mindestens über eine komplette Saison. Als Teilzeit-Copilot würde ich auf gar keinen Fall zur Verfügung stehen. Falls Kalle irgendwann doch in die WRC zurückkehrt, bin ich mir sicher, dass wir wieder ein Team wären.
Wie bist Du zum Rallyesport gekommen? Direkt als Beifahrer? Hattest Du diesbezüglich irgendwelche familiäre Vorbelastung?
Ich komme aus einem kleinen Ort zehn Kilometer von Jyväskylä entfernt. Mein Onkel war ein Rallyefahrer und wir sind gemeinsam zu den Veranstaltungen gefahren. Im Jahr 2006 hat er mich dann gefragt, ob ich als Copilot bei ihm mitfahren wolle. Warum nicht, dachte ich mir. In 2007 sind wir dann unsere erste gemeinsame Rallye gefahren. Dann bin ich bei Mikko Pajunen als Beifahrer eingestiegen. Er war ein großes Talent und ein guter Freund. Wir starteten mit einem absoluten Mini-Budget. Unser erstes Rallyeauto war ein Opel Kadett, den wir für noch nicht einmal 2.000 Euro gekauft haben. Der hatte zwar einen Überrollkäfig aber weder ein vernünftiges Fahrwerk noch einen ordentlichen Motor. Damit haben wir unsere ersten Rallyes bestritten und dann nach und nach das Auto optimiert. Ich bin wirklich ganz unten im Rallyesport angefangen, wir hatten überhaupt kein Geld. Es ist schon interessant, wie sich dann meine Karriere vom untersten Level bis zur höchsten Kategorie des Rallyesports entwickelt hat, das war wirklich großartig.
Würde Dich eine Veranstaltung wir die Rallye Dakar reizen? Der deutsche Dennis Zenz zum Beispiel ist komplett dorthin gewechselt.
Ja, die Dakar ist etwas, was mich reizt. Ich würde gern dieses Jahr nutzen, um mich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Ich hatte tatsächlich schon 2024, als wir nur eine halbe WRC-Saison gefahren sind, den Gedanken. Kalle hat dazu auch schonmal sein Interesse bekundet, also wenn er eines Tages die Dakar fahren würde, wäre ich dazu bereit. Ich würde aber auch mit anderen Fahrern dieses Abenteuer wagen. Ich glaube allerdings, dass diese Art von Rallyes auch gefährlich sein können. Ich müsste mal Probesitzen (lacht). Aber das wäre sicher eine großartige Herausforderung, für die ich auf jeden Fall offen bin.
Nach 2 Weltmeistertiteln: Was wäre für Dich noch ein Traum, den Du Dir unter sportlichen Gesichtspunkten erfüllen möchtest?
Tja, was hätte ich noch für Träume? Wenn Kalle irgendwann zurück in die WRC käme, wäre es, mit der Anzahl der WM-Titel von Juha Kankkunen und Tommi Mäkinen gleichzuziehen. Beide haben 4 WM-Titel errungen.
In meiner Laufbahn kenne ich den Rallyesport aus der Perspektive der Zuschauer, eines Copiloten und aus der Sicht der Teams. Ich kenne den Sport, so wie er heute ist, sehr genau. Ich würde gern daran mitarbeiten, Rallyes für die Fans und die Teams besser zu machen. Man hat das an der Formel 1 vor 10 Jahrein den USA gesehen, heute ist er dort durch einige Veränderungen superpopulär.
Im Rallyesport können wir ebenfalls viele Dinge verändern. Viele Abläufe haben ihren Ursprung in den 80er und 90er Jahren, wir haben heute nicht das Interesse und die Zuschauerzahlen, die wir haben sollten. Die Welt hat sich verändert und ich denke, der Sport muss sich ebenfalls anpassen.
Was sich verändern müsste, ist sicher ein großes Thema. Es müssten aber einige Dinge radikal umgekrempelt werden. Aus meiner Sicht benötigen wir beispielsweise Veränderungen im Bereich des Marketings, um unseren Sport den Menschen nahezubringen. Wir benötigen viel mehr Kameras und auch bessere Apps, um den Rallyes zu folgen. Vielleicht sollten die Rallyes auch noch kompakter werden, so dass die Zuschauer einen besseren Überblick haben. Ich würde gern helfen, den Sport in der Zukunft besser zu machen.
Quickies: Zum Schluss acht kurze Fragen mit 8 kurzen Antworten …
Kaffee oder Tee?
Das ist leicht: Kaffee!
Kuchen oder Burger?
Auch einfach: Burger.
Sommer oder Winter?
Ich wähle den Sommer.
Schnee oder Schotter?
Da nehme ich doch den Schnee.
Allradantrieb oder Heckantrieb?
Heckanrieb.
Col de Turini oder Ouninpohja?
Klar, Ouninpohja.
V8 oder e-Antrieb?
Das ist sehr einfach: V8!
Und zu guter letzt: Was ist Dein Lieblingsgetränk?
Ich würde sagen … Coca Cola Zero (lacht)
Vielen Dank, Jonne! Und viel Erfolg für Deinen zukünftigen Aktivitäten.
Jonne Halttunen (geb. 13.12.1985)
Jonne Halttunen ist ein finnischer Rallye-Beifahrer und gehört zu den erfolgreichsten Co-Piloten seiner Generation. Er begann seine Karriere früh im nationalen Rallyesport und machte sich schnell durch präzise Ansagen, Ruhe im Cockpit und taktisches Verständnis einen Namen.
International bekannt wurde Halttunen an der Seite von Kalle Rovanperä. Gemeinsam entwickelten sie sich zu einem der konstantesten Duos im Rallyesport. Mit Toyota Gazoo Racing feierten sie zahlreiche Erfolge in der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC).
Halttunen gewann mit Rovanperä zwei WM-Titel in der höchsten Rallye-Kategorie und wurde damit einer der jüngsten Doppel-Weltmeister in der Geschichte des Sports. Seine Stärke liegt in klaren Pacenotes, perfektem Timing und der Fähigkeit, auch unter Druck Fehler zu vermeiden. Heute zählt Jonne Halttunen zur Weltspitze der Rallye-Beifahrer.
Text und Fotos: Lothar Bökamp // ANTRIEB.MEDIA
Impressionen eines Rallye Beifahrers: Jonne Halttunen











…

