Rallye Monte Carlo 2020: Knappe Kiste!

Mit einem ziemlichen Knaller begann am Donnerstag die Rallye Monte Carlo in den französischen Seealpen. Nach dem offiziellen Start in Monaco machten sich die Teams auf zu den zwei Nacht-Wertungsprüfungen mit dem Etappenziel und dem eigentlichen Rallyezentrum nach Gap.

Gleich auf der ersten Wertungsprüfung erwischte es die M-Sport Ford Fiesta WRC mit einem Schock: Alle drei Autos hatten thermische Probleme. Auf der schneefreien Piste durch die noch herbstlichen anmutenden Wälder entwickelte sich die Frontpartie der Autos zu einem regelrechten Laubsauger. Dieses Laub setzte sich in die fragile Struktur des Kühlergrills und blockiert die Zufuhr der Frischluft. Die Wassertemperatur stieg – wie der geneigte Zuschauer in der WRC-App selbst in der Inboard-Aufnahme sehen konnte – auf 120 Grad und war damit im absolut roten Bereich. Alle Teams mussten ihr Tempo massiv drosseln, was sich direkt in den Platzierungen niederschlug.

Die zweite und letzte Prüfung des Abends war ein wahres Feuerwerk. Nicht nur der Fans, die ihre Pyrotechnik am Streckenrand zündeten, sondern auch für Thierry Neuville, der diese Prüfung mit 25 Sekunden Vorsprung gewann. Da wusste die Konkurrenz, wo der Hammer hängt!

Am Freitag morgen dann Herzstillsand auf der 2. Prüfung des Tages. Bei absulutem Highspeed verliert der amtierenden Rallye-Weltmeister Ott Tänak die Kontrolle über seinen Hyundai i20 Coupe WRC. Die Bodenwelle wirkt wie eine Sprungschanze und er fliegt im hohen Bogen in Wald und Büsche, eher er nach mehreren Überschlägen auf einer parallel verlaufenden Straße unterhalb der Rallyestrecke zum Stehen kommt. Gott sei Dank bleibt die Crew unverletzt, das Auto dürfte das Hyundai-Team als Kernschrott abschreiben.

Fortan entwickelte sich ein Dreikampf zwischen Sébastien Ogier, Elfyn Evans (beide im Toyota Yaris WRC) und Thierry Neuville im Hyundai i20 Coupe WRC. Am Ende der 3. Etappe am Samstag waren alle 3 Teams in einem Zeitfenster von 6,4 Sekunden an der Spitze des Feldes. Und das bei einer bis dahin bereits gefahrenen Gesamtzeit von fast 2,5 Stunden!

Ab der Wertungsprüfung 14, der drittletzten Prüfung am Sonntag, übernahm dann Thierry Neuville die Führung und gab sie auch nicht mehr ab. Er siegte mit 12,6 Sekunden auf Sébastien Ogier, dem 6fachen Rallye-Weltmeister und 14,3 Sekunden auf den Briten Elfyn Evans, der noch in der letzten Prüfung seinen 2. Platz Ogier überlassen musste. Der Finne Esapekka Lappi auf einem M-Sport Ford Fiesta WRC folgen bereits mit 3:09 Minuten Rückstand.

Damit hat Hyundai Motorsport einen beeindruckenden Sieg bei der Rallye Monte-Carlo und die Titelverteidigung der Hersteller stilvoll begonnen.

Thierry Neuville zeigte am letzten Tag eine erstklassige Leistung, um sich mit SS14 an die Spitze zu setzen, und baute dann seinen Vorsprung aus, um den 15. WM-Sieg des Teams zu erringen.

Sébastien Loeb holte sich den sechsten Platz und rettete zehn wichtige Herstellerpunkte aus einem schwierigen Wochenende für das Team.

Hyundai Motorsport hat seinen ersten Sieg in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) 2020 verbucht, als Thierry Neuville am letzten Tag der Rallye Monte-Carlo mit einer dominierenden Leistung zum Sieg stürmte.

Mit vier Etappensiegen und den maximal fünf Power Stage-Punkten gelang dem Belgier an der Seite von Beifahrer Nicolas Gilsoul am Sonntagmorgen der Sprung zum 15. WM-Sieg des Teams und zum ersten Sieg im Fürstentum. Die Mannschaft erzielte insgesamt neun Etappensiege von 16 möglichen in den vier Tagen der Veranstaltung.

Am Sonntagvormittag standen vier Etappen auf dem Programm: eine Wiederholungsschleife mit den bekannten Tests, bei denen die Mannschaften den berühmten Col de Turini in La Bollène-Vésubie-Peïra Cava (SS13/SS15) vor dem kürzeren, aber nicht weniger anspruchsvollen La Cabanette-Col de Braus (SS14/SS16) in Angriff nahmen.

Neuville zeigte das ganze Wochenende über eine vorbildliche Leistung, um das Maximum aus seinem Hyundai i20 Coupe WRC unter den für Monte typischen Bedingungen herauszuholen. Nachdem er bis zum Ende des Samstags einen Rückstand von 6,4 Sekunden auf den Spitzenreiter aufgeholt hatte, baute er den Rückstand in der ersten Etappe am Sonntag ab, bevor er sich an die Spitze setzte und dann mit einem Sieg in der Power Stage seinen eigenen Vorsprung auf 12,6 Sekunden ausbaute. Das Ergebnis markierte den 13. WM-Karrieresieg für die #11-Crew.

Eine anspruchsvolle Veranstaltung ging für Sébastien Loeb und Daniel Elena frustrierend zu Ende, da sie sich mit dem sechsten Gesamtrang begnügen mussten. Die Crew entschied sich für weichere Reifen, um die beiden Schleifen zu bewältigen, was sich bei den Bedingungen als nachteilig erwies. Zusätzlich zu ihren Kämpfen, bei denen sie um den vierten Platz kämpften, verloren sie das Heck ihres Autos in einer engen Haarnadelkurve auf der WP14, was die Unterstützung der Zuschauer erforderte, um sie wieder auf die Straße zu bringen. Sie verloren entscheidende Zeit und fielen in der Reihenfolge zurück, da sie mit der Reifenwahl zu kämpfen hatten. Dennoch konnten sie zehn wichtige Meisterschaftspunkte retten. 

Hyundai Motorsport hat mit 35 Punkten die Herstellerwertung vorzeitig angeführt, während Neuville mit den maximal angebotenen 30 Punkten an der Spitze der Fahrertabelle in die Saison 2020 startet.

Text: Lothar Bökamp
Foto: Photographer: Fabien Dufour / Worldwide copyright: Hyundai Motorsport GmbH