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Jännerrallye (AT): Hermann Neubauer macht die Sammlung voll

Mit dem Sieg bei der Internationalen Jännerrallye gewann der amtierende österreichische Staatsmeister auch jenen Lauf zur Österreichischen Rallye Staatsmeisterschaft, den er als einzigen noch nie gewonnen hatte. Vor 120.000 Zuschauer, die eine turbulente Motorsport-Show im Mühlviertel erlebten, starte Hermann Neubauer mit seinem Copiloten Bernhard Eitel eine fulminante Aufholjagd und letztendlich den ersten Podiumsplatz.

War am Samstag nur wenig Schnee dafür recht viel Eis auf den Streckenabschnitten zu finden, so schlug das Wetter in der Nacht zum Sonntag, wie vorausgesagt um, und die Prüfungen zeigten sich schneebedeckt und damit sehr winterlich. Bedingungen also, die der weltberühmten Rallye Monte Carlo, jedenfalls in den „alten Tagen“ der altehrwürdigen Grande Dame des Rallyesports, sehr ähnlich kamen.

Von Anfang an schwang vor allem das im Vorfeld favorisierte Trio Hermann Neubauer, Julian Wagner und Simon Wagner den temporeichen Taktstock. Dass nach 14 spektakulären Sonderprüfungen Neubauer als Sieger jener Rallye feststand, die er als einzige aller Staatsmeisterschaftsläufe in Österreich noch nie gewonnen hatte, spricht zweifelsfrei für die Klasse des regierenden nationalen Champions. Dass gerade ihm aber, dem die Jännerrallye bislang nicht als wirklicher Freund gegenübertrat, ausgerechnet diesmal auch das Glück ein wenig hold war, mag in den Bereich „Ausgleichende Gerechtigkeit“ fallen.

Denn eigentlich war der Salzburger auch in diesem Jahr bereits aus dem Rennen um den Sieg, als er am ersten Tag, die Pleiten- Pech- und Pannenserie der drei Toppiloten eröffnete. Neubauer rutschte mit seinem Ford Fiesta R5 auf der WP 6 Schönau – St. Leonhard erst fast von der Strecke, ehe er sich dann endgültig eindrehte und der abgestorbene Bolide ganze eineinhalb Minuten nicht mehr anspringen wollte. Doch zum Trübsal blasen blieb keine Zeit, denn nur eine Prüfung später war der Pechvogel schon wieder im Spiel.

Konkurrent und Vorjahrs-Jännerrallye-Sieger Julian Wagner touchierte auf WP 7St. Oswald – Sandl mit dem linken Heck seines Skoda Fabia R5 einen Baumstumpf, ruinierte sich dabei Hinterrad und Bremsscheibe und musste mit Copilot Jürgen Heigl mitten in der Prüfung selber Hand anlegen, um das Malheur provisorisch reparieren zu können. Allerdings dauerte dieser „Eingriff“ ganze 12,5 Minuten und kostete somit jedwede Chance, den Sieg zu wiederholen.

Und als die über 100.000 Fans schon dem nach dem ersten Tag führenden Oberösterreicher Simon Wagner die besten Karten zubilligten, zeigte die Jännerrallye die Zähne und ihre ganze Unberechenbarkeit. Denn Tag 2 präsentierte sich im Gegensatz zum fast frühlingshaften ersten Teil eisig, frostig, bizarr und tief winterlich. Während jedoch fast alle Teams auf die Vorhersagen reagierten und in der Nacht ihre Autos auf Schotterfahrwerk mit schmalen Spikes umrüsteten, bekam Simon Wagner diese Chance nicht, weil seine Crew technisch nicht in der Lage war, diesen wichtigen Umbau in der vorgeschriebenen Servicezeit zu schaffen. Die Folge war fatal.

Wagner war mit dem am Tag zuvor erfolgreichen Asphalt-Fahrwerk und breiteren Reifen auf Schnee und Eis chancenlos, verspielte innerhalb von nur zwei Wertungsprüfungen in Liebenau und Unterweißenbach seinen gesamten „unaufholbaren“ Vorsprung von 1,45 Minuten (!) und fand sich plötzlich nur noch auf Platz zwei wieder. Und selbst dieser war plötzlich in Gefahr, weil hinter Simon Wagner zum einen Günther Knobloch (Skoda Fabia R5) Druck machte als auch die Mühlviertler Lokalmatadore wie Michael Lengauer oder Martin Fischerlehner in gewohnt beherzter Weise alles und noch mehr aus ihren motorisch unterlegenen Boliden (Subaru WRX bzw. Mitsubishi Evo VI) herausquetschten.

Spätestens als sich dann die letzten beiden Prüfungen im weit tiefer gelegenen Lasberg als doch nicht so trocken und damit chancenreich entpuppten wie von Simon Wagner erhofft, musste dieser seinen ersten Sieg in Freistadt aufgeben und Hermann Neubauer seinen ersten im Mühlviertel überlassen.

Den packenden Krimi um Platz drei entschied schließlich Michael Lengauer auf der letzten Sonderprüfung um 3,2 Sekunden vor Günther Knobloch und 7,9 Sekunden vor Martin Fischerlehner für sich.

Für Julian Wagner endete die Jännerrallye dann doch noch mit einem zwar schwachen, aber immerhin irgendeinem Trost. Er gewann mit seinem siebenten SP-Sieg auch die Powerstage und sicherte sich drei Zusatzpunkte. Weil er auch noch den 15. Platz erreichte gab es damit wenigstens insgesamt vier Punkte. „Besser als nichts“, meinte der Mauthausener. „Vielleicht sind sie am Ende der Meisterschaft noch wichtig. Insgesamt habe ich hier leider zu viele Fehler gemacht. Aber wer nie Fehler macht, wird nie was lernen. Und ich werde daraus lernen.“

Mehrere Führende gab es auch in der 2WD-Staatsmeisterschaft. Bis schließlich der Niederösterreicher Michael Franz (VW Golf III Kitcar) als dieser feststand, lachten vorerst Daniel Mayer (Peugeot 208 R2), dann wieder Michael Kogler (VW Scirocco) von Platz eins. Doch erst scheiterte Mayer an einem Bruch des Bremssattels an seinem Peugeot 208, dann holte Kogler ein technischer Defekt am VW Scirocco von der Spitze. Während Mayer jedoch aufgeben musste, rettete Kogler wenigstens Platz sieben und damit einige wichtige Meisterschaftspunkte. Zweiter wurde hier noch der junge Steirer Luca Pröglhöf (Ford Fiesta ST), Dritter Manuel Kurz (BMW 328iS).

Den dritten ORM-Premierensieg gab es in der Junioren-Staatsmeisterschaft. Hier konnte Luca Pröglhöf seinen ersten Triumph in einem Staatsmeisterschaftslauf feiern. Dass es gleich bei so einem schwierigen Event gelang, ist um so schöner für den Rookie. Platz zwei holte sich Manuel Kurz.

Den Österreichischen Rallye Cup gewann in Freistadt Michael Lengauer vor Martin Fischerlehner. Der dritte Platz ging mit Ernst Haneder (Mitsubishi Evi IX) ebenfalls an einen Publikumsliebling aus dem Mühlviertel. – Die Rallye Cup 2000 Wertung holte sich Michael Franz vor Luca Pröglhöf und Oliver Apfelthaler (Honda Civic).

Den Saisonauftaktsieg in der Historische Rallye-Staatsmeisterschaft holte der Steirer Gert Göberndorfer ((Opel Ascona B) vor Lukas Schindelegger (Ford Escort S2000) und Mario Klopf (Ford Escort RS2000). – Im Historischen Rallye Cup triumphierte Günther Königseder (Lancia) vor Horst Stürmer und Markus Ossberger (beide Audi).

Last but not least holte im bei der Jännerrallye und bei der tschechischen Rallye Krumlov im Frühjahr ausgetragenen Regionalen Rallye Cup (RRC) Skoda-R5-Pilot Simon Wagner vor Martin Fischerlehner und Ernst Haneder den Sieg.

Ergebnisse Jännerrallye 2020
1.Neubauer / EttelFord Fiesta R51:51:50.8
2.Wagner S. / WinterŠkoda Fabia R5 evo+50.4
3.Lengauer / ThauerböckSubaru WRX STI+1:58.9
4.Knobloch / RauschŠkoda Fabia R5+2:02.1
5.Fischerlehner / SchmidtMitsubishi Lancer Evo 6.5+2:06.8
6.Aigner / WinklhoferŠkoda Fabia R5 evo+2:37.8
7.Haneder / AhornerMitsubishi Lancer Evo IX+3:12.2
8.Colombi / RivoirŠkoda Fabia R5+3:20.2
9.Keferböck / MinorŠkoda Fabia R5 evo+4:11.8
10.Gassner / ÖttlMitsubishi Lancer Evo X+4:45.5
ORM-Stand: 1. Hermann Neubauer 25 Punkte, 2. Simon Wagner 19, 3. Michael Lengauer 15, 4. Günther Knobloch 14, 5. Martin Fischerlehner 11

ORM-2WD: 1. Michael Franz 28 Punkte, 2. Luca Pröglhöf 18, 3. Manuel Kurz 15

Nächster Lauf: 27.-28.03. Rebenland-Rallye in Leutschach

Textredaktion: Lothar Bökamp
Foto: Harald Illmer www.rallye-oem.at